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2. Advent

06. Dezember 2020, 2. Advent

Am Gedenktag des hl. Nikolaus steht oftmals das Geben nach Vorbild des hl. Bischof von Myra im Mittelpunkt. Allerdings bekommen wir im Leben viel mehr als Schokolade, wenn wir mal bedürftig sind. In folgenden Zeilen soll das Geben und Nehmen in Freundschaften im Zentrum stehen.
Weihnachten beziehungsweise die Vorweihnachtszeit gilt für viele als wertvoll. Vordergründig ist dabei oft das „Nach-Hause-Kommen“ gemeint, um sich mit Freunden und Familie ungezwungen auszutauschen, Zeit zu verbringen und einander Aufmerksamkeit zu schenken. Anlass genug, um einige Worte zum Thema Freundschaft zu verlieren, findet Paul:

„Reich sind die, die wahre Freunde haben.“ (Thomas Fuller)

Es gibt viele Formen von Freundschaft, die wir alle wohl schon einmal im Leben erfahren haben. Doch mag es wohl diesen einen oder diese bestimmte Freundin geben, mit denen ich wirklich durch „Dick und Dünn“ gehe, wie es bekanntlich heißt? Jene, die mich nicht im Regen stehen lassen?

Wenn ja, woher soll ich schon wissen, wer das ist? Und bleiben sie es? Eine nicht gerade leicht beantwortete Frage. Ich check mal den Duden:
Es heißt: „Freundschaft, die; ein feminines Substantiv. Auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander.“ Einfach ein Verhältnis? Naja, auf Gegenseitigkeit muss sie schon einmal beruhen, die Freundschaft. Ein erster Anhaltspunkt…

Einige gleichbedeutende Worte sind laut Lexikon Begriffe wie „Beziehung, Gemeinschaft, Verbindung, Bekanntschaft“ und einige mehr. Na super… Und was ist jetzt genau ein Freund? Eine gute Freundin? Mal überlegen…

Ich glaub‘ , Freundschaft ist deutlich mehr als das. Keine einfache Verbindung. Auch keine lose Beziehung. Und ganz sicher ist Freundschaft weit tiefgründiger als eine Bekanntschaft, die dann doch nach kurzer Zeit verfliegen kann.

Ich suche weiter und halte mich an Begriffen wie „Gegenseitigkeit“ und „Zuneigung“ fest. In meiner Fußballmannschaft zum Beispiel habe ich schon Freunde gefunden, wie ich meine. Schließlich teilen wir ein gemeinsames Interesse und unterstützen uns gegenseitig Ziele zu erreichen. Gemeinsame Ziele.
In der Schule lieh mir kürzlich ein Klassenkamerad 1,40€ für ein Pausenbrötchen. Auch ich hätte ihm das Geld gegeben. Gegenseitig eben. Aber ist es das? Mhh… Da fällt mir ein: Vertrauen muss ich ihm wohl auch. Ich kenne einige Mitglieder unserer Klasse, denen ich wohlmöglich gesagt hätte, dass ich kein Geld dabeihabe. Ich kann mir schließlich nicht sicher sein, ob ich mein Geld pünktlich wiederbekomme, falls ich es selbst brauche.

Meine Mutter sagt, Freunde wären da, wo ich mich zu Hause fühle und sein kann, wie ich mag und wie ich bin. Das hat wahrscheinlich auch mit Vertrauen zu tun. Schließlich würde ich keine peinlichen Dinge tun oder merkwürdige Gewohnheiten preisgeben, wenn ich bei meinen Freunden Angst haben müsste dafür ausgelacht zu werden. Und zu Haus fühle ich mich eben gut.

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr halte ich das Bild eines Hauses stellvertretend für eine wahre Freundschaft für anschaulich.
Ich glaube, die Freundschaft ist für mich ein starker, sicherer Ort, an dem ich Zuneigung erfahren, Zuneigung geben, Vertrauen fassen, und auch lachen kann. Alle Dinge, für die ich mich nicht schäme und auch nie schämen sollte. Darüber hinaus ist ein Haus etwas Stabiles und für lange Zeit gebaut. Ganze Generationen können ein Leben lang hier wohnen und sich zu Haus fühlen.
Ein sicherer Rückhalt, der vor Sturm und Gewitter schützt, mich nicht im Regen stehen lässt. Wenn’s mal kracht, bin ich dennoch sicher.
Hinzu kommt, dass ich mein Haus allerdings auch instand halten muss. Der Garten will gepflegt sein und regelmäßig werden Fenster geputzt, um Licht auf mich einfallen zu lassen. Außerdem gibt es viele Kleinigkeiten auf die in aller Regelmäßigkeit zu achten ist, sonst zerfällt mein Haus. Ebenso wie es bei einer Freundschaft der Fall sein kann: Ganz langsam, ohne dass ich überhaupt merke, wenn Steine anfangen zu bröckeln.
Fahre ich mal in den Urlaub, sind selbst zwei Wochen nicht schlimm, in denen ich meine Freunde und das Haus nicht sehe. Dann wische ich ein wenig Staub oder fege den Hof. Wenn ich aber gar keine Pflege betreibe, besteht auf Dauer Einsturzgefahr wie in der alten Fabrik im Industriegebiet.

Ich nehme mir vor die Häuser, die ich gebaut habe und bauen werde, von nun an zu hegen und zu pflegen. Denn wenn der erste Stein bröckelt, ist es vielleicht schon zu spät. Renovieren dauert nämlich lange, ist teuer und kostet viele Nerven.

Die Freundschaft als ein riesiges Haus ist also weitaus mehr als eine Verbindung oder Beziehung willkürlich zusammengekommener Menschen. Freundschaft ist ein warmer Ort, an dem ich mich angekommen und heimisch fühle. Und das soll so bleiben. Für mich und meine Freunde.

„Freundschaft ist wie Geld: Leichter gewonnen als erhalten.“ (Samuel Butler)

Gil Ofarim hat ein Lied für seine Freunde geschrieben in dem er sich bedankt. Zück‘ doch mal dein Handy, während du das Lied hörst, und schreibe deinen Freunden. Sie freuen sich garantiert über ein einfaches „Danke“ und von dir zu hören!