kjb-osnabrueck-sued.de

1. Advent

29. November 2020, 1. Advent

Mark Forster - Auf dem Weg (YouTube-Link)

Mark Forster singt in seinem Lied davon, dass er nicht abbiegt, wenn's mal nach links geht. Er fährt geradeaus und macht keinen Stopp. Gerade die oft als sinnlich, entschleunigt gepriesene Adventszeit kommt mir manchmal vor, als ginge ich auf Schienen.

Die Adventszeit ist für Christen die Vorbereitung auf die Ankunft Jesu Christi. Das bedeutet gleichzeitig sich auf den Weg zu machen. Es sind noch 4 Wochen bis zum Heiligen Abend. Dann wird Weihnachten gefeiert. Zur Feier Christi Geburt gehört für viele Christen der Gottesdienstbesuch, ein ausgiebiges Festessen mit den Liebsten und natürlich die Bescherung. Bis am Heiligen Abend Ruhe, Einkehr und Besinnlichkeit vorherrscht, ist es jedoch oft auch ein arbeitsintensiver Weg. Essen, Geschenke, Absprachen, Weihnachtsfeiern, der letzte Stress in der Schule oder auf der Arbeit und vieles Weitere begleiten bis dorthin. Nun gut. In diesem Jahr fallen sicher einige Termine und Erledigungen aus. Allerdings fällt zum Glück weder das Weihnachtsfest, noch der Weg dorthin, also der Advent, aus. Dieser Weg startet heute.

Auf diesem und unserem Weg liegt aber auch sicherlich im Kleinen versteckt, was ich suche und in anderen Zeiten oft nicht finde. Jeder noch so kleine oder große Schlenker kann Chancen bieten, macht mich vielfältiger, lässt mich Menschen kennenlernen, die denken wie ich oder völlig anders ticken, macht mich erfahrener, fröhlicher, manchmal vielleicht auch traurig, oder bietet im richtigen Moment herzliches Lächeln und tolle Erinnerungen.

Was hat das nun mit dem Advent zu tun? Er gibt uns einen willkommenen Rahmen einen anderen Blick einzunehmen. Wenn die Weihnachtsfeier im Sportverein nicht stattfinden kann, drücke ich die WhatsApp-Nachricht dieses Mal nicht genervt weg, sondern sage: "Ok, dann bin ich mal beim Online-Treffen dabei. Das ist sicher cool, mit den anderen mal wieder zu quatschen." Der Weihnachtsbummel wird wohl nicht so angenehm und ausgiebig wie in vergangenen Jahren und auch der Weihnachtsmarkt wird für mich wegfallen. Das soll mir nichts ausmachen. Ich werde mich bemühen Persönliches und Liebevolles zu schenken, statt in einem Kaufrausch Geschenke zu besorgen. Zeit nehmen, um Kekse zu backen, alte Freunde mal wieder anrufen, eine WhatsApp an jemanden, dem ich dankbar bin und eine Kerze und ein Gebet für jemanden, der mir am Herzen liegt, sind weitere Anregungen. Wenn der Advent mir die Möglichkeit gibt, möchte ich an diesen Stellen - hinter denen für mich Besinnlichkeit stecken kann - abbiegen.

Ich glaube, dass schöne Momente in der Adventszeit dann von ganz allein auf mich zukommen. Diese Momente geben mir Bedächtigkeit, Gelassenheit und das wohlige, geborgen zu sein - ob am Telefon mit einem guten Freund, in der Video-Schalte zu zehnt oder allein mit einem guten Buch.

Vielleicht liegt darin ein Schlüssel zum besinnlichen Advent. Für viele Christen wird Gott dabei ein Begleiter sein. Und wenn ich es zulasse, dann mag dieser Weg ein bereichernder sein. Also heißt es ab heute für mich: Runter von der Schiene! Ich schaue jetzt hin und lass es endlich zu.

Woran möchtest du nicht weiter vorbeirauschen? Wo möchtest du abbiegen? Was liegt auf deinem Weg? Möchtest du den Weg anderer bereichern? Wie? - Lass es dich im Advent herausfinden.

Paul Vartmann, Dekanatsjugendreferent